E.T.A. Hoffmann – Leben, Werk und Einfluss auf die Fantasy

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde am 24.1.1776 geboren, weswegen ich ihm heute diesen Blogartikel widme. In meinem Studium war die Lektüre seiner Werke eine der angenehmeren und sein Leben, über das sehr viel bekannt ist, höchst spannend! In seinem Werk flossen düstere und phantastische Elemente ein, was ihn zu einer Art Pate der (deutschen) Phantastik macht. Er war dabei universell kreativ: Er schrieb, er musizierte und er zeichnete – u.a. Karikaturen, die ihm im Berufsleben durchaus schadeten. In diesem Blogartikel erfährst du mehr über diesen Künstler und sein Werk.

No KI

Der folgende Text wurde ohne Zuhilfenahme von KI erstellt. Ich hasse es, darauf hinweisen zu müssen, aber ich mache es einfach mal: In diesem Artikel steckt echte, menschliche Recherche in echten Büchern und zum Teil im Internet. Die Quellen sind angegeben.

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E.T.A. Hoffmann – Leben zwischen Pflicht und Künsten

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde 1776 in Königsberg als Sohn eines Advokaten geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er bei Verwandten seiner Mutter auf. Er besuchte das Gymnasium in Königsberg und studierte später Jura, was aber nicht seine Leidenschaft war.

Selbstporträt ETA Hoffmann in Öl
E. T. A. Hoffmann, Ölgemälde, Künstler: anonym, früher als Selbstporträt interpretiert – Alte Nationalgalerie, Gemeinfrei.

In Hoffmann schlummerte ein vielseitiges Talent, das sich über verschiedene künstlerische Disziplinen erstreckte: vom Schreiben über die Musik bis hin zur bildenden Kunst.

Sein künstlerisches Schaffen brachte ihn auch bald in berufliche Schwierigkeiten: Er zeichnete unter anderem Karikaturen, was ihm 1802 eine Strafversetzung nach Polen einbrachte – er arbeitete seit 1800 als Assessor in Posen. Auch Alkoholmissbrauch wird ihm nachgesagt und ist über Aussagen von Weggefährten dokumentiert.

1804 zog er nach Warschau, aber nach der Besetzung der Stadt durch Frankreich (Napoléon war zu der Zeit gerade auf Kriegeszug) verlor er sein Amt und ging nach Berlin. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt in dieser Zeit als Musiker, Zeichner und Literat; er wurde 1808 dann Kapellmeister in Bamberg. Dort war er bis 1813 Musiklehrer und Komponist und arbeitete zeitweise als Musikkritiker (er wies beispielsweise schon früh auf Beethoven hin).

Verheiratet war er übrigens seit seiner Zeit in Polen mit Maria Thekla Michalina, was ihn nicht davon abhielt, sich (unglücklich) in die 16jährige Julia Mark zu verlieben – seine Schülerin. Kennengelernt hat er sie, als sie 13 war. Sie war Inspiration und Muse für ihn und die Blaupause zahlreicher Frauenfiguren in seinem Werk. Mehr über Hoffmanns Beziehung zu ihr kann man in der Wikipedia über Julia Mark nachlesen. Er war offenbar sehr heftig in sie verliebt, allerdings ist unklar, ob sie diese Gefühle erwiderte und was und ob da was zwischen den beiden gelaufen ist. Sie heiratete jedenfalls einen anderen auf Drängen ihrer Mutter – diese Ehe endete in einer Scheidung und sie heiratete dann ein weiteres Mal, aber nicht Hoffmann.

1813 wurde Hoffmann Direktor der Secondas Schauspieltruppe in Leipzig und Dresden, ab 1814 war er wieder in Berlin und ab 1816 Regierungsrat am Kammergericht in Berlin. Man erkennt, dass das Leben als Künstler schon damals von Zwängen unterworfen war. Er musste aus finanziellen Gründen auf die Juristerei zurückkommen. Das bot ihm aber auch die Möglichkeit, weiter zu schreiben. Er schloss sich in Berlin der Autorengruppe „Serapionsbrüder“ an, zu der auch Brentano, Chamisso und Fouqué angehörten – alles bekannte Namen der damaligen Zeit. Ich persönlich finde das total spannend, weil ich natürlich auch viel mit anderen Autor:innen in Kontakt stehe und gewisse Dinge wiedererkenne.

Selbstporträt von E.T.A. Hoffmann aus dem Jahr 1800.
Das wohl bekannteste Selbstporträt von E.T.A. Hoffmann aus dem Jahr 1800. Von E.T.A. Hoffmann – Walter Daugsch, Lorenz Grimoni: Museum Stadt Königsberg in Duisburg. Leer 1998, ISBN 3-7921-0472-5, S. 123., Gemeinfrei.

Zu seinem Lebensende bekam er zunehmend Probleme mit seinem Dienstherrn, weil er in seinem Buch „Meister Floh“ Prozessakten öffentlich gemacht und (zu der Zeit mutmaßlich) den Ministerialdirektor Kamptz in seiner Figur des Knarrpanti lächerlich gemacht hatte. Kurz zum Hintergrund: In seiner Funktion als Kammergerichtsrat hatte er Einsicht in Gerichtsunterlagen, laut denen ein Beklagter das Wort „mordfaul“ in seinem Tagebuch notiert hatte. Hoffmann griff dieses Wort in seinem Buch auf und ließ Knarrpanti (eine Figur des Buches, wahrscheinlich Kamptz) dieses Wort dick rot unterstreichen – genauso, wie Kamptz es in Wirklichkeit getan hatte.

Damit hatte er sich beruflich ins Aus befördert, obwohl er noch versuchte, die betreffenden Kapitel aus dem Manuskript zu streichen – es wurde beschlagnahmt und erschien zensiert. Die unzensierten Passagen erschienen erst 1908!

Er starb 1822 in Berlin, nachdem er seit 1818 an gesundheitlichen Problemen litt. Er hatte Lähmungserscheinungen, an denen er letzten Endes verstarb. Als Ursache vermutet wird Syphilis oder ALS.

Wenn man sich Hoffmanns Leben so anschaut, ist es geprägt von einem ewigen Hin und Her zwischen Pflicht und Kunst, ein Konflikt, mit dem ich mich hier schon beschäftigt habe. Er war das, was man einen Halodri nennt, wobei er es immer irgendwie schaffte, mit einem Bein im Berufsleben zu stehen, und sich andererseits Freiheiten als Künstler nahm. Diese Hin- und Hergerissenheit spiegelt sich in vielen seiner Geschichten, die sich zwischen Realität und Phantastik/Wahnsinn bewegen. Seine Zeichnungen und Texte sind von einem mehr oder weniger subtilen Humor geprägt, der nicht bei allen Zeitgenossen unbedingt Anklang fand. Dennoch war er kein Revoluzzer, sondern vertrat gewissenhaft auch staatliche Interessen – was zuweilen ein Drahtseilakt war.

Begründer der Phantastik: Die wichtigsten Werke

Die Literaturwissenschaft ordnet Hoffmanns Werk zwischen Spätromantik und Frührealismus ein.

Seine romantischen Kunstmärchen, magisch-spukhaften Novellen und z.T. grotesk-bizarren Erzählungen bewegen sich teils in einer mit allem Realismus und peinlich genauer Beobachtung wiedergegebenen Wirklichkeit und schlagen unvermittelt in eine hintergründig-dämonische Spukweilt von grotesker Phantastik um, die jenseits der sinnlichen Erfahrung liegt.

aus: Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 674, Hervorhebungen von mir.

Fantasyherzen schlagen bei solchen Beschreibungen natürlich höher. Er hat mit seinen Geschichten den Grundstein der Urban Fantasy gelegt, und sozusagen ein Portal in die Phantastik geöffnet: Wirklichkeit meets Fantasie – das war spektakulär neu, und das machte wohl auch die Faszination und den Erfolg seiner Bücher aus.

Dabei ist nicht immer klar, ob nicht vielleicht der Erzähler an einem Wahn leidet, wie z.B. in seiner berühmtesten Geschichte „Der Sandmann“, in der der Protagonist an Wahnvorstellungen leidet, bei denen doch die Frage bleibt, ob er der einzig Sehende unter Blinden ist oder eben einfach wahnsinnig. (Interessant an der Metapher des einzig Sehenden unter Blinden ist das Leitmotiv des „Sehens“ bzw. der „Augen“, das den „Sandmann“ begleitet.)

Im Folgenden gehe ich noch kurz auf ein paar seiner bahnbrechenden Werke ein, die bis heute (bewusst oder unbewusst) die Phantastik prägen.

Nachtstücke

Die „Nachtstücke“ ist eine Sammlung von Erzählungen, die erstmals 1817 veröffentlicht wurden. Sie gelten als Meisterwerk der romantischen Phantastik. Die Geschichten sind geprägt von düsteren Atmosphären und übernatürlichen Elementen, in denen die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verschwimmen. Der bereits erwähnte „Sandmann“ gehört zu diesem Erzählzyklus. Du kannst alle Geschichten kostenlos hier im Projekt Gutenberg lesen (epub inkl.).

Zeichnung von ETA Hoffmann zu seiner Erzählung "Der Sandmann"
Illustrationen waren auch damals schon in: Zeichnung von E.T.A Hoffmann zu seiner Erzählung „Der Sandmann“, gemeinfrei.

Fantasiestücke in Callot’s Manier

Die „Fantasiestücke in Callot’s Manier“ erschienen 1815 und sind eine in eine Rahmenhandlung eingebettete Geschichtensammlung: Ein fiktiver Herausgeber kündigt darin die Tagebuchaufzeichnungen eines „reisenden Enthusiasten“ an; im Postskript kommt dieser Reisende dann selbst zu Wort: Er richtet sich darin auch an E.T.A. Hoffmann selbst, sodass zwar Distanz zwischen Binnen- und Rahmengeschichte geschaffen und zugleich die Authentizität unterstrichen wird. Die Geschichte „Die Abenteuer einer Silversternacht“ greift beispielsweise das Motiv des Spiegelbildes auf: Ähnlich wie im „Sandmann“ kann man am Ende dem Gesehenen nicht mehr ganz trauen. Realität und Fantasie (oder Wahnsinn) verschwimmen.

Hoffmanns Figuren morden, betrügen, verbünden sich mit dem Teufel und verfallen dem Wahnsinn (zuvor meist schönen Frauen). Häufig treten „Wunderdoktoren“ oder „Gelehrte“ auf, die eine Nähe zum Okkultismus vermuten lassen, und sehr häufig spielen schöne, verführerische Frauen eine Rolle (z.B. in „Der goldene Topf“).

Die Elixiere des Teufels

„Die Elixiere des Teufels“ ist ein Schauerroman mit literarischen Vorbildern in Gregory Lewis „The Monk“ und Karl Grosses „Der Genius“. Durch ein „Teufelselixier“ erwachen in dem Mönch Medardus „sinnliche Begierden“ (Kindlers Literatur Lexikon), was in einen Albtraum aus Sex und Gewalt endet: Er wird zum Mörder und Wahnsinnigen, der seine Verbrechen einem Doppelgänger in die Schuhe schiebt.

Wir erkennen typische Motive Hoffmanns wieder: Versuchung und Wahnsinn, also das Ausleben der Versuchung, die in Wahnsinn endet, wird in vielen seiner Werke exzessiv ausgelebt.

Fazit

Die Werke von E.T.A. Hoffmann haben auch zweihundert Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Das Narrativ von Wahnsinn und Genie, bzw. Versuchung und Wahnsinn wurde durch ihn geprägt. Die Grenzen von Wirklichkeit und Fantasie (oder Wahnsinn) lotet er in all seinen Werken aus, und oft kommt auch eins meiner Lieblingsmotive vor: Der Pakt mit dem Teufel.

E.T.A. Hoffmann war ein Universalkünstler, der sich vielfach mit gesetzlichen Vorgaben und beruflichen Pflichten gegenüber der eigenen Leidenschaft auseinandersetzte – ein Konflikt, der auch Künstlern heutzutage bekannt vorkommen dürfte.

Alle seine Werke sind kostenlos im „Projekt Gutenberg“ lesbar. Ob aus Inspiration oder Faszination: Es lohnt sich, sich mit Hoffmanns Werken zu beschäftigen.

Quellen

Jens, Walter: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Band 7.Komet 1998.

Wikipedia und weitere, wie angegeben.

Wikipedia: Der Sandmann

von Wilpert, Gero: Lexikon der Weltliteratur, Autoren. dtv 1997, 3. Auflage.

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Sonja Tornefeld studierte Allgemeine Literaturwissenschaft, Germanistik und Medienwissenschaften. Sie ist Fantasy-Autorin und passionierte Buchliebhaberin, großer Fan von Hobbits, Vampiren, Drachen, Metal und allem Magischen. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in der Nähe des Teutoburger Waldes.
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