Schreiben mit dem Schreibplan

Schreiben nach Plan mit dem Schreibplan – ist das noch romantisch? Was ist mit der Muse? Heute gewähre ich mal wieder einen Einblick in den unromantischen Teil meines Schreibprozesses, nämlich das Schreiben nach und mit Plan. Vielleicht ist dir schon der Klang davon zuwider. Vielleicht bist du ein Hardcore-Discovery-Writer und planst gar nichts, aber ich ermuntere dich, trotzdem weiterzulesen. Vielleicht überrascht dich dieser Text ja auch ;). Es geht dabei auch um Mental Health und wie man in diesem verrückten Business stark bleibt.

Einleitung: Warum?

„Schreiben nach Plan hat doch überhaupt nichts mehr mit Kreativität zu tun.“

Falsch!

Disziplin und Ordnung schlagen Chaos, und das sage ich als eine, deren Schreibtisch so aussieht ;). Und keine Sorge: Meine Exceldateien sind sehr gepflegt.

Ich verrate dir ein Geheimnis: Die Muse ist launisch.

Die Disziplin zwingt sie zur Arbeit, und das ist viel besser, als auf die Muse zu warten.

Wenn du mir schon länger folgst, fragst du dich vielleicht, wie ich es schaffe, wöchentlich einen Blogartikel wie diesen, wöchentlich einen Newsletter, drei bis vier Instagram-Posts pro Woche, sieben Mastodon-Posts (Minimum) und weitere Texte NEBEN meinen Schreibprojekten zu schreiben? Und ja, auch Schreibprojekte koordiniere ich aktuell DREI, die alle innerhalb der kommenden 14 Monate erscheinen sollen. Außerdem arbeite ich an sieben weiteren Büchern, arbeite Teilzeit und bin Mutter von vier Kindern.

Gut, ich gucke null Fernsehen/Netflix – nur am Wochenende gucke ich mal nen Film, und ich habe außer 2x Sport pro Woche keinerlei Hobbies. Das ist das eine.

Das andere ist natürlich die Leidenschaft für meine Bücher und diesen Blog UND der Schreibplan.

Und anders als du jetzt denkst, gibt der mir nicht den Takt vor, sondern erlaubt mir, meinen Output so zu koordinieren, dass es dir so vorkommt, dass ich 24/7 nur schreibe ;).

Wie das geht, stelle ich dir jetzt vor.

Freiheit durch den Schreibplan

Das Zauberwort an der Sache ist: Pause.

Ich plane eigentlich gar nicht, zu schreiben, sondern ich plane Pausen. Ich mache nämlich unheimlich gern Pause. Oder: Ich verbringe meine Zeit am liebsten so, wie ich möchte und nicht, wie ich muss. Denn ich bin superfaul und ich hasse Verpflichtungen.

Irgendwann ist mir etwas klar geworden: Verpflichtungen sind weniger ätzend, wenn ich sie gut geplant habe, denn das bringt den Vorteil mit sich, dass ich die Chefin der Sache bleibe und nicht der Kalender zu meinem Chef wird. Chefs zu haben, hasse ich nämlich auch.

Das war schon immer so, aber früher bin ich regelmäßig nervlich unter Pflichtterminen und To-Dos zusammengebrochen. Ich schreibe hier als eine, die auch schon schwere Depressionen erlebt und überlebt hat. In meinem Beitrag über die Schreibblockade habe ich das auch schonmal erwähnt. Mir ist bewusst, dass eine gewisse Rückfallgefahr besteht und ich weiß, dass ich da nie wieder hinwill. Manche, so kommt’s mir manchmal vor, feiern ihre Depression regelrecht und ja, natürlich, Depression setzt auch kreative Kraft frei, aber lass dich nicht täuschen: Die Depression ist das One-Way-Ticket in die Totalstarre und das kreative Aus. Ich meine das ernst: Man kann sich ne Weile in der Depression wohl fühlen, aber sie frisst dich von innen auf. Resilient ist was anderes. Und Social Media und dieser ganze Marketingzirkus höhlen dich aus, wenn du keinen Plan hast.

Gewissermaßen ist der Schreibplan also auch meine persönliche Depressionsprophylaxe und meine Survivalgarantie. Ja, es ist Routine, Ordnung und Struktur und dagegen bin ich auch allergisch, aber es ist auch Sicherheit und Halt in einer verrückten Welt: Mein Fahrplan zum Buch und mein Anker in richtig beschissenen Phasen (und seit der Merz an der Macht ist, ist so ein gewisses Grundgefühl von „Beschissen“ irgendwie latent immer da. Aber das nur am Rande.)

Er ist zu einem Teil also aus dem Wunsch heraus entstanden, einen Fahrplan zu haben, und zum anderen aus dem Wunsch, das ganze Thema „Buch“ auf ein professionelles Level zu heben. Wenn man sich bei gut verkaufenden Autor:innen umhört, brechen die auch alle unter Termin- und Zeitdruck zusammen, Mental Health Probleme und diverse Ängste kommen oben drauf. Vor Kurzem war das auf Instagram wieder Thema: Deadlines, viele Termine und hoher Verkaufsdruck – was alles zu hoher mentaler Belastung führt (hallo, Depression).

Ich verspreche dir jetzt NICHT, dass das mit dem Schreibplan kein Thema mehr ist, denn das ist immer Thema.

Aber der Schreibplan zeigt dir auch den Weg hinaus und der Schreibplan gewährt dir schöne Pausen, in denen du wirklich Zeit hast. Das ist das wichtigste überhaupt daran: Die Planung realistisch zu gestalten.

Wann schreibe ich was? – Die grobe Planung: Projektmanagement für Autoren

Jetzt wird es ganz konkret: Mein Schreibplan ist eine Excel-Tabelle, die ich mir selbst gebaut habe. Die nehme ich für die grobe Planung. Für die Feinplanung nutze ich Trello, da komme ich später drauf.

Die Buchprojekte stehen untereinander und dann folgen in den Spalten die Monate von Januar-Dezember. Ich plane ca. 3 Jahre im Voraus, wobei die kommenden 12 Monate am besten planbar sind und ich regelmäßig nachjustiere.

So sieht das blanko aus. In gelb habe ich die Monate markiert, in denen ich kein Social Media mache und keine Newsletter schreibe. Das sind Ferienmonate, in denen ich außerdem anderweitig gefordert bin und nicht so wahnsinnig viel machen möchte.

Schreibplan blanko

Je nachdem, wo deine Projekte gerade stehen und ob du einen VÖ-Termin hast, planst du jetzt von hinten runter. Sagen wir, bei mir ist „Tango und Tod“ im September 2026 dran. Dann rechne ich runter: Wann muss die Druckdatei fertig sein? Cover? Illus? Lektorat? Testlesen? Feedbacks einarbeiten etc. Da ich sehr lange Planungszeiträume habe, komme ich übrigens mit einem Jahr nicht hin, also habe ich pro Jahr so eine Tabelle und plane entsprechend länger. Ich habe es hier nur zur Veranschaulichung alles komprimiert. Für deine Planung ist wichtig, dass du ehrlich und realistisch da dran gehst. So ein Plan führt sich selbst ad absurdum, wenn man die Zeiträume zu eng steckt.

Wichtig: Ich rechne bei allen Zeiten PUFFER ein. Ich habe lieber am Ende zwei Wochen zu viel als zu wenig Zeit. Verarsch dich nicht selbst und sei ehrlich mit den Zeiten! Pack lieber ne Woche drauf. Findet da um den Dreh irgendwas anderes wichtiges statt? 50. Hochzeitstag deiner Eltern? Sind da irgendwelche Termine, die dich Zeit kosten? Dann rechne das drauf. Dann kommt das Buch zur Not erst im Oktober!

Ich habe das jetzt mal beispielhaft gemacht. Du siehst, dass bei den verschiedenen Projekten zu den unterschiedlichen Zeiten andere Dinge anfallen. Und siehst du den Juli? Da mache ich wahrscheinlich doch was, aber ich muss nicht ;). Ich versuche, die Projekte so zu koordinieren, dass es passt. Einige Dinge sind ja ausgelagert: Testlesen, Cover und Lektorat gebe ich ja extern ab und warte in der Zeit, die ich dann mit anderen Projekten verbringe.

Schreibplan Beispiel

Es gibt dafür sicher auch irgendwelche Projektmanagement-Tools, die man verwenden kann. Für mich funktioniert Excel (oder eine Open Source Alternative – an dem Projekt arbeite ich ja noch). Ich brauche das alles in einer Übersicht. Probier ruhig was anderen aus! Ein Jahreskalender hilft auch, z.B. von Kalenderpedia.

Ob das hier in dem Beispiel so hinkommt, weiß ich natürlich noch nicht, denn bei einigen Dingen bin ich auf externe Partner angewiesen und habe es nicht unbedingt selbst in der Hand. Das Schöne an dieser groben Planung ist: Du bekommst den Überblick, was du wann auf dem Schreibtisch hast. Für einige mag es abschreckend sein, mich beruhigt das. Denn ich bekomme zwischendurch manchmal kleine Panikattacken, so nach dem Motto „Ach Scheiße, was ist mit Projekt XY?“, und dann schau ich im Schreibplan und weiß, es ist erst im Oktober dran.

Blogpin Schreiben mit Schreibplan

Auch Überschneidungen wie hier im April sehe ich dann kommen. Dann fällt mir noch ein, dass da zwei Wochen Ferien und Ostern sind, und ich werde schon im Vorfeld den Plan ändern, weil ich das realistisch angehe und mir am Ende nicht selbst schaden will, indem ich mir Ziele stecke, die ich niemals erreichen kann.

Spontaneität ist trotzdem möglich. Ich sagte ja: Ich justiere nach. Ich gucke zwischen zwei Arbeitsabschnitten oder Projekten da rein und orientiere mich, ob ich im Zeitplan liege. Und im Selfpublishing kann ich ja auch Termine schieben, im Verlag geht das nicht unbedingt – ein Grund mehr, zweigleisig zu fahren.

Und was ist mit dem Blog und dem ganzen Social Media? Dafür habe ich einen eigenen Redaktionsplan, in den ich PAUSEN plane. Und in diesen Pausen arbeite ich sehr viel vor. Diesen Text habe ich zum Beispiel im Dezember 2025 geschrieben. Social Media, Newsletter, etc lässt sich alles vorplanen: Im Idealfall schreibe ich nur noch die Newsletter einigermaßen auf Zeitniveau, alles andere plane ich Wochen vorher. Im Lauf des Jahres nimmt das dann ab, d.h., mein Vorlauf wird kleiner, aber ich bemühe mich, 2-3 Wochen Abstand zu halten. Und wenn es mir zu viel wird, mache ich Pause (fest geplant mache ich Pause von Juli-September und von Dezember-Januar; nächstes Jahr will ich bis inklusive Februar Pause machen).

Die Feinplanung

Für die Feinplanung habe ich die Trello-App auf dem Smartphone, hier die Webansicht. Ich kann damit wunderbar arbeiten, aber es gibt auch andere Apps, die man nehmen kann. Schreib gern einen Kommentar, wenn du eine Empfehlung hast! Sortiert habe ich das wie folgt:

Trello 1
Trello 2

Ich habe „Listen“ für die verschiedenen Projektstati, also „Projekt“, „1st Draft“, etc. Du siehst, dass es ca. drei Überarbeitungen dauert, bis ein Text testlesereif ist. Jedes Projekt hat eine Karte und auf jeder Karte habe ich Infos und eine Checkliste hinterlegt, die ich abarbeite. Im Lauf der Zeit wandert das Projekt dann immer weiter. Diese Phase kann ich auch nochmal genauer beschreiben – melde dich, wenn du Fragen hast!

Ja, das ist total unromantisch und BWL für Dummys, aber man kriegt was geschafft und ich weiß sofort, wo ich in welchem Projekt stehe. Bei mir ruhen Projekte ja auch mal ein paar Monate, und so komme ich schnell wieder rein.

Und die Muse?

Ist ja toll, aber so nach Vorschrift schreiben? Wie soll das gehen?

Es geht. Lass dir nix anderes erzählen.

Vielleicht musst du dir Zeit erkämpfen. Ich kenne das. Gerade mit kleinen Kindern ist Zeit nicht planbar, Schreibzeit schon gar nicht. Steck dir kleine Ziele! Ich habe mit drei Sätzen täglich angefangen: Jeden Tag drei Sätze schreiben, auch wenn es Sätze sind, die du später löschst oder überarbeitest. Schreib täglich drei Sätze. Und dann 200 Wörter. Dann 300, 500, irgendwann 1.000.

Es kommt natürlich auch auf deine Lebensphase an. Sei lieb zu dir, erwarte nicht zu viel. Aber eins kann ich dir versprechen: Wenn du die Routine in deinen Tag einbaust, wird die Muse sich nach dir richten 😉. Denn in Wahrheit steht die Muse auf Verlässlichkeit. Euer Date ist vielleicht geplant, aber nicht weniger kreativ. Und wenn dir für deinen Roman nichts einfällt, tja dann schreibst du halt Blogartikel ;).

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Sonja Tornefeld studierte Allgemeine Literaturwissenschaft, Germanistik und Medienwissenschaften. Sie ist Fantasy-Autorin und passionierte Buchliebhaberin, großer Fan von Hobbits, Vampiren, Drachen, Metal und allem Magischen. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in der Nähe des Teutoburger Waldes.
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