Beiß mich: Diese Vampir Bücher musst Du gelesen haben!

Käseweiß, spitze Zähne und allergisch gegen Knoblauch – das kann nur ein Vampir sein! Einerseits Schreckgespenst, andererseits schon im Mittelalter Projektionsfläche erotischer Fantasien: Der Vampir ist auch im 21. Jahrhundert noch lange nicht tot oder untot. Die Faszination für die Blutsauger hat die Geschichte der Literatur überdauert und begeistert das Publikum immer wieder – mich auch ;). Heute widme ich mich dem lichtscheuen Jungfrauenschreck und stelle ein paar der besten Vampir Bücher der Literaturgeschichte vor – und keine Angst, es ist kein verstaubter Kanon ;).

Übrigens: Vampire gelten als Variante von Dämonen – vielleicht ist dieser Text für dich ebenfalls interessant: Dämonen: Ursprung und Mythologie dämonischer Kreaturen.

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Dracula von Bram Stoker ist der Klassiker der Vampir Literatur und viel zitierte, ikonische Kultfigur des Vampirgenres: Held, Antiheld, Filmstar… Dracula beherrscht auch knapp 130 Jahren seit seiner Veröffentlichung noch die Popkultur.

Ein mysteriöser Auftraggeber verpflichtet den jungen Anwaltsgehilfen Jonathan Harker, für ihn Unterlagen zu prüfen, und lässt ihn dafür zu sich ins ferne Transsilvanien reisen. Tief verwurzelt in alten Legenden, entdeckt Harker die Geheimnisse, die hinter den alten Burgmauern begraben liegen und das seltsame Verhalten seines Gastgebers in ein bedrohliches Licht rücken.

Während Harker beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln, erreicht den renommierten Wissenschaftler Abraham van Helsing eine beunruhigende Nachricht, die ihn unverzüglich nach England aufbrechen lässt. Zwischen Albtraum und Wirklichkeit beginnt eine atemlose Verfolgungsjagd auf Leben und Tod.

Dracula von Bram Stoker: Der Vater aller Vampire

Er ist der Vater aller Vampire, wenn man sich mit Vampiren in der Literatur beschäftigt. Auch wenn die Erwähnung des 1897 erschienenen Romans von Bram Stoker in einer Liste über Vampirbücher wenig überrascht: Man kommt einfach nicht an ihm vorbei! Der Roman hat nahezu jedes andere Vampirbuch inspiriert und dient als Vorlage für über 25 Filme und Musicals. Unzählige Referenzen der Popkultur (von der „Rocky Horror Picture Show“ bis hin zu „Hotel Transsilvanien“) beziehen sich auf den Stoff, mal mehr, mal weniger tiefgründig.

Dracula wird als Held und Antiheld gefeiert. Er ist zur ikonischen Kultfigur und zum Filmstar gewachsen. Dass einer der ersten Stummfilme – „Nosferatu“ (1922, von Friedrich Wilhelm Murnau) – ausgerechnet ein Vampirfilm ist und auf dem Dracula-Stoff basiert, hat natürlich sehr zu seinem Renommee beigetragen, zeigt aber auch, wie sehr das Vampirgenre seit jeher Künstler und Kreative inspiriert – jüngst, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, in dem Film Kinderfilm „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ (2023). Dracula-Darsteller Bela Lugosi war so gefangen von der Rolle, dass er sich sogar im Dracula-Kostüm beerdigen ließ.

Der Brief- und Tagebuch-Roman gehört zur Romantik, speziell der Untergattung der Schauerromantik, die sich in Literatur und Kunst dem Dämonischen, Abgründigen, dem Wahnsinn, dem Phantastischen und dem Erotischen widmete. Weitere Werke, die dem zuzuordnen sind, sind zum Beispiel „Frankenstein“, „Die Blumen des Bösen“, „Die Elixiere des Teufels“, „Der Glöckner von Notre Dame“ oder „Der Fall des Hauses Usher“ – nur, um einige bekannte Werke dieser Strömung zu nennen. Nicht selten nahmen die Autoren selbst an Geisterbeschwörungen und Séancen teil.

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Alte Ausgabe von „Dracula“.

Lohnt es sich, Dracula heute noch zu lesen? Ich finde: Ja. Sicher ist die Sprache des späten 19. Jahrhunderts eine andere als heute. Das schreckt viele ab.

Literaturklassiker gelten als schwer zugänglich, wenig unterhaltsam und ohne Sekundärliteratur kaum zu verstehen. Ich kann Dich aber beruhigen: Dracula zu lesen ist alles andere als langweilig. Und als echter Vampirfan gehört die Lektüre zur Weihe ;).

Einen kleinen Vorgeschmack habe ich natürlich herausgesucht. Sex verkauft Bücher immer am besten, das weiß ja auch die gute Lara Adrian, deren Bücher ich hier schon vielfach vorgestellt habe. Der gute alte Bram Stoker hat aber auch schon Erotik mit Vampirzähnen verbunden. Hier also die Szene, in der Jonathan Harker den Vampirinnen im Schloss Dracula begegnet – wer die Verfilmung mit Keanu Reeves als Harker gesehen hat, wird sich ungefähr erinnern:

Die andere war blond, so blond, wie es nur möglich ist, mit langen Wellen goldenen Haars und Augen wie blassen Saphiren. Mir war, als ob ich ihr Gesicht irgendwoher kenne, und zwar in Verbindung mit irgendeinem Angsttraum, aber ich konnte mich nicht an das Wie oder Woher erinnern. Alle drei besaßen strahlend weiße Zähne, die wie Perlen zwischen dem Rubinrot ihrer sinnlichen Lippen schimmerten. Etwas an ihnen ließ mich unruhig werden und weckte ein Sehnen und eine tödliche Furcht. Ich spürte im Herzen das böse, brennende Verlangen, von jenen roten Lippen geküßt zu werden.

aus Dracula, insel Taschenbuch, 1. Auflage 1988, S. 63

Das Buch bekommst Du hier in einer schönen, ledergebundenen Schmuckausgabe: Dracula*.


Der Historiker von Elizabeth Kostova: Lebt Dracula noch?

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Ein junges Mädchen findet in der Bibliothek ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen. Das Geheimnis um den Vater und das Schicksal der Mutter verbinden sich zu einem Drama, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Die Briefe fragen nach der Herkunft von Vlad dem Pfähler, dem Urbild der Dracula-Legende. Eine atemberaubende Suche in Klöstern, Bibliotheken und Archiven beginnt, bei der Grausamkeiten Draculas zutage treten, die sich bis heute fortsetzen …

„Der Historiker“ ist eine Ausnahmeerscheinung unter allen Vampirbüchern. Unter allen Vertretern des Genres ist der „Historiker“ eine Kathedrale. Es ist schon einige Jahre her, dass ich es verschlungen habe, aber ich erinnere mich gut, wie sehr mich der Roman gefesselt hat.

Ein sechzehnjähriges Mädchen findet 1972 im Studierzimmer seines Vaters ein altes Buch mit leeren Seiten und der Aufschrift „Drakulya“ und ein Kästchen mit vergilbten Briefen aus den 30er Jahren. Die Briefe ziehen die Ich-Erzählerin in ihren Bann und sie beginnt, selbst Nachforschungen anzustellen. Die Erzählung findet fortan auf zwei Ebenen statt: Wir verfolgen die Geschichte, die in den 30er Jahren stattfand, und die Geschichte des Mädchens, die in den 70er Jahren spielt.

Gemeinsam mit ihrem Vater, der studierter Historiker ist und als Diplomat viel in ganz Europa unterwegs ist, begibt sie sich auf eine Spur, die sie durch Universitäten, Schlösser, Archive und alte Klöster zu dem (historischen!) Dracula, also Vlad, dem Pfähler, führt.

Dabei kommt sie auch der Frage nach dem unbekannten Schicksal ihrer Mutter näher. Auch er, der Vater des Mädchens, verschwindet zwischendurch spurlos. Ihre Reise führt sie durch jede alte Stadt Europas, vor allem Osteuropa und Istanbul sind eindringlich dargestellte Orte.

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Der Historiker von Elisabeth Kostova: Der Dracula-Stoff eingebettet in einen neuen Kontext. Ein Mädchen findet im Nachlass ihres Vaters ein Konvolut mit vergilbten Briefen, die sie auf eine geheimnisvolle Spur zu ihrer verschwundenen Mutter und dem Schicksal ihres Vaters bringen. Sie begibt sich auf die Suche nach Antworten, die sie in alten Klöstern, Bibliotheken und Archiven zur Dracula-Legende bringen. Doch handelt es sich wirklich nur um eine Geschichte?

„Der Historiker“ ist ein Schmöker für Bibliophile. Der Vampir, dessen grausames, menschliches Leben in vielen Details gezeigt wird, ist dem Text durchweg immanent; wir begegnen ihm aber hauptsächlich über die Briefe und Erzählungen, während wir uns durch diese wunderbaren, altehrwürdigen Orte, umgeben von alten Büchern, mittelalterlichen Schriften und durch jahrhundertealten Staub bewegen. Es ist ein bisschen wie bei Indiana Jones: Wir suchen den wahren Kern einer blutrünstigen Legende.

Ich selbst habe das Buch damals während eines Urlaubs vor vielen Jahren gelesen und kann dies nur weiterempfehlen: Der Roman umfasst 826 Seiten und wird alle begeistern, die historische Kulissen, die wilde Schönheit Osteuropas, mittelalterliche Geschichte und natürlich die Legende rund um Vlad Tepes, mögen. Die Autorin hat nicht nur einen packenden Roman geschrieben, sondern auch ein Nachschlagewerk zu Vlad, dem Pfähler. Es ist ein sehr intelligentes Buch auf hohem Niveau, verpackt in einem atemberaubende Geschichte und der Frage: Lebt Dracula noch?

Hier geht es zur aktuellen Ausgabe von „Der Historiker“*.


Von denen Vampiren: Klassische Vampirgeschichten

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Von den frühen Anfängen bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts haben die Schriftsteller das größte Interesse an den nachtschwarzen Blutsaugern bezeugt, und noch die moderne Dichtung zeigt sich von ihnen fasziniert. Das originelle und einmalige Handbuch des Vampirismus enthält Texte von Goethe, Novalis, Heinrich Heine, Stefan George, Gertrud Kolmar und Ingeborg Bachmann; Lord Byron, Charles Baudelaire, Nikolai Gogol, Iwan Turgenjew, Lawrence Durell und vielen anderen.

Diese Anthologie mit Vampirgeschichten gehört in die Sammlung eines jeden Vampirfans: Hier findest Du die klassischen Vampirgeschichten, die Dracula in nichts nachstehen!

Wer die Literatur des 19. Jahrhunderts und speziell die Schauerromantik mag, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Auch sie sind noch immer Vorbild für viele Vampirfiguren der heutigen Zeit. Mit „Camille“ von Sheridan Le Fanu ist sogar eine lesbische Vampirin vertreten, was in Anbetracht der Entstehungszeit Novum und Skandal war.


Interview mit einem Vampir von Anne Rice: Homoerotischer Kitsch, oder: Der Vampir in der Popkultur

„Interview mit einem Vampir“ ist eins der wenigen Bücher, unabhängig vom Vampirgenre, bei dem ich den Film für gelungener halte als das Buch. Vielleicht kennst Du den Film mit Brad Pitt, Tom Cruise, Kirsten Dunst, Antonio Banderas und Christian Slater bereits und fragst Dich, ob Du das Buch lesen sollst.

Meine Antwort ist bei solchen Fragen immer „Ja“. Das ist auch die richtige Antwort, wenn es um die Unendliche Geschichte oder Game of Thrones geht. Bei „Interview mit einem Vampir“ seufze ich dann und bekenne meinen Zwiespalt: Bücher sind mir heilig, aber dieses hat mich nicht vom Hocker gerissen. Ich habe es gelesen, als damals der Film rauskam, und dann später noch einmal während meines Literaturstudiums in einem Seminar über den Vampir in der Literatur. Auch auf Englisch fand ich es nicht viel besser.

Der Text ist irgendwie nicht zugänglich, die Geschichte und die Figuren eher langweilig dargestellt – zumindest war das meine persönliche Leseerfahrung Die Verfilmung gefiel mir um Längen besser, das Buch hat mir kein Lesevergnügen bereitet. Ich habe es nur meiner Disziplin zuliebe zuende gelesen. (Damals verfolgte ich noch einen Ehren-Lesekodex, dass ich jedes Buch beende. Das mache ich ja heute nicht mehr.)

Die Geschichte des Vampirs Louis ist eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der er von einem Reporter interviewt wird. Louis erzählt seine Lebensgeschichte, also wie er durch den aristokratisch auftretenden Vampir Lestat selbst zum Vampir wurde und seither über zweihundert Jahre lebt und leidet.

„Interview mit einem Vampir“ hatte einen großen Einfluss auf die Popkultur. Besonders der Film hat seinerzeit den etwas angestaubten Vampir aus der Gruft geholt und sehr erotisiert – auch aus homosexueller Perspektive. Die Autorin hat speziell die Figur des Lestat ambivalent angelegt und hier sicherlich einen neuen Meilenstein der Vampirliteratur gelegt, ob man das Buch nun spannend findet oder nicht.

Die Geschichte ist aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken – ob man sie aber auch unbedingt gelesen haben muss, musst Du selbst für Dich entscheiden. Hier gibt es das Buch.*

Den Trailer zu der Verfilmung, die ich sehr schätze, kannst Du hier anschauen:


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Moderne, erotische Vampirbücher: Midnight Breed und Black Dagger

Zu diesen klassischen Vampiren gesellen sich mittlerweile etliche weitere Vampire – es gibt sehr viele Buchreihen, die den Vampir zur Hauptfigur machen, oft in erotischem Zusammenhang, wie z.B. bei Lara Adrian’s Midnight-Breed-Buchreihe, die ich inzwischen alle gelesen habe.

Eine weitere Vampir-Buchreihe (ich lese sie aktuell) mit einer weltweit sehr großen Fangemeinde ist die Black Dagger-Reihe von J.R. Ward, bei der die Vampire ebenfalls Action- und Erotikhelden verkörpern. Die Lektüre ist sehr kurzweilig und unterhaltsam ;).

Noch mehr Vampirbücher

Noch mehr Vampirbücher findest du in der Vampirbuch-Datenbank. In mühevoller Kleinarbeit findest du hier eine sehr gut sortierte Übersicht aller Vampirbücher – viel Spaß beim Stöbern!

Welche Vampirbücher fallen Dir noch ein, die man unbedingt gelesen haben muss? Verrate es mir gern in den Kommentaren!

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Passionierte Buchliebhaberin, großer Fan von Hobbits, Vampiren, Drachen, Metal und allem Magischen. Lebt mit Mann, Kindern und Hund in der Nähe des Teutoburger Waldes und schreibt an ihrem Dark Fantasy Debütroman.

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3 Gedanken zu „Beiß mich: Diese Vampir Bücher musst Du gelesen haben!“

  1. Vampirglaube der Neuzeit

    Woher kommt der neuzeitliche Vampirglaube? Graf Dracula ist der König der Vampire und hat seine Heimat in Rumänien (Transsilvanien / Siebenbürgen). Die Wiedergeburt von Fürst Vlad III. Drăculea ist Dracula, wie es heißt. Fürst Vlad III. Drăculea wurde um 1431 geboren und starb um 1476. „Der Pfähler“ lautet der Spitzname von Fürst Vlad III. Drăculea, ihm wird extreme Grausamkeit nachgesagt.

    Könnte der Vampirglaube der Neuzeit im Zusammenhang mit der Antike stehen?

    In der griechischen Mythologie ist von vampirähnlichen Daimonas mit dem Namen Lamien die Rede. Diese Lamien treten in der Gestalt von wunderschönen Frauen auf. In dieser Gestalt verführen sie junge Männer und saugen denen ihr Blut aus. Man geht heute davon aus, dass der neuzeitliche Vampirglaube nicht im Zusammenhang mit den Lamien steht. Wer mehr über diese Bestien erfahren möchte, siehe Link:

    https://www.mythologie-antike.com/t222-lamien-mythologie-damonen-bestien-die-grosse-ahnlichkeiten-mit-vampiren-aufweisen

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