„Der Name der Rose“ wollte ich schon sehr lange lesen. Es stand Jahrzehnte auf meinem SuB, ungefähr seit ich in jungen Jahren „Der Medicus“ und „Der Schamane“ von Noah Gordon gelesen habe. Ich habe früher viele historische Romane gelesen und am Namen der Rose kommt man da eigentlich nicht vorbei – zumal mich die Verfilmung mit Sean Connery und Christian Slater nach wie vor begeistert. Nun habe ich es endlich geschafft und finde es ganz schwierig bis unmöglich, meinen Leseeindruck in angemessene Worte zu kleiden.
Inhalt
Kurzporträt: Der Name der Rose

Dass er in den Mauern der prächtigen Benediktinerabtei an den Hängen des Apennin das Echo eines verschollenen Lachens hören würde, das hell und klassisch herüberklingt aus der Antike, damit hat der englische Franziskanermönch William von Baskerville nicht gerechnet. Zusammen mit Adson von Melk, seinem etwas tumben, jugendlichen Adlatus, ist er in einer höchst delikaten politischen Mission unterwegs.
Doch in den sieben Tagen ihres Aufenthalts werden die beiden mit kriminellen Ereignissen und drastischen Versuchungen konfrontiert: Ein Mönch ist im Schweineblutbottich ertrunken, ein anderer aus dem Fenster gesprungen, ein dritter wird tot im Badehaus gefunden. Aber nicht umsonst stand William lange Jahre im Dienste der heiligen Inquisition. Das Untersuchungsfieber packt ihn. Er sammelt Indizien, entziffert magische Zeichen, entschlüsselt Manuskripte und dringt immer tiefer in ein geheimnisvolles Labyrinth vor, über das der blinde Seher Jorge von Burgos wacht …
Bücher als Mindfuck? Mein Leseeindruck
Ich habe vier Sterne vergeben, und doch verdient dieser Klassiker fünf, wenn man die Akribie berücksichtigt, die Metaphorik, die detaillierten Beschreibungen des klösterlichen Lebens, die Finesse der Figur William von Baskerville, die Genauigkeit, mit der Eco die Orden und ihre Anschauungen, die religiösen, theologischen Konflikte nachzeichnet.
Oder ich müsste drei vergeben – maximal! – wenn ich an die Spannung denke, an die fehlende weibliche Figur und an die endlosen Beschreibungen und Reden, die für Theologiestudent:innen und Historiker:innen sicher interessant sind, aber jegliche Spannung killen.
Vier Sterne war der Kompromiss.

Es ist ein beeindruckendes Buch. In Sherlock-Holmes-Marnier beschreibt der Novize Adson, wie sein Mentor William von Baskerville mit messerscharfem Verstand eine mysteriöse Mordserie in einem Kloster aufklärt. Dabei stellt sich bald heraus, dass sich hinter Klostermauern weitere Skandale verbergen: Obszönitäten und Unzucht, und der Generalverdacht, etwas aus diesen Kategorien zu verbergen, schwebt über den Mönchen. Eco meißelt diese Stimmung treffsicher und detailgetreu nach.
Das Schreiben 1980 war ein anderes als heute. Das ist mir in einem anderen Zusammenhang bereits aufgefallen. Viele Bücher (und Schreibratgeber!) heute fokussieren sich auf Spannung, Drama, Cliffhanger und den möglichst großen Kick. Das erleben wir in der Serien- und Filmwelt, aber auch auf dem Buchmarkt, in dem das Publikum nach den genannten Zutaten lechzt, um sich durch Bücher zu „suchten“ – immer auf der Suche nach dem nächsten Lesekick. Bücher werden konsumiert wie Drogen. Sie sollen uns high machen und erlösen, Befriedigung verschaffen auf einem durchaus körperlichen Level.
So manche Booktokerin stöhnt augenverdrehend in die Kamera, als würde sie den neuen Supervibrator anpreisen. Wir wollen den „Mindfuck“ – Bücher sollen unser Gehirn ficken und dazu braucht es möglichst viele Twists, Cliffhanger und sadistische Antagonisten. (Gleichzeitig wird nach Triggerwarnungen gejammert – aber zu diesem Themenkomplex äußere ich mich vielleicht nochmal separat.)
Das alles bietet „Der Name der Rose“ nicht, jedenfalls nicht so offensichtlich. Es ist ein Buch, das tief gräbt und Wissen oder Begeisterung für Wissen voraussetzt. Man muss ich darauf einlassen und ich gestehe, dass meine Lesezeit von sieben Monaten zeigt, dass ich dieses Buch nicht mal eben so durchsuchten konnte.
Es ist kein Buch, das einem die Hand reicht und einen einlädt, es zu lesen. Die Sprache ist gut, aber teilweise sperrig und verklausuliert. Die einzige Sexszene habe ich dreimal gelesen und sehr geschmunzelt, denn man „sieht“ quasi nichts. Adson macht aus dem Akt eine theologische Abhandlung, spricht in Metaphern, wird aber dennoch sehr lebendig, ganz im Gegensatz zu weiten Strecken des Buches. Sein Stil ist eloquent und anspruchsvoll, und ich habe ein kurzes Zitat mitgebracht, um die Schönheit seiner Sprache zu feiern:

Was war ähnlich, was war vergleichbar im Todesverlangen Micheles, in meiner Ekstase angesichts seines Flammentodes, in meinem Verlangen nach körperlicher Vereinigung mit dem Mädchen, in meiner mystischen Scham, mit der ich allegorisch beschrieb, was ich dabei empfand, und schließlich in jenem Verlangen nach freudiger Selbstauflösung, das die Heilige dazu trieb, an ihrer Liebe zu sterben, um weiterzuleben in Ewigkeit? […] Doch wenn die Liebe zur Flamme und zum Abgrund eine Figur der Liebe zu Gott ist, kann sie dann gleichzeitig eine Figur der Liebe zum Tod und der Liebe zur Sünde sein?
aus: Der Name der Rose, S. 320
Das Buch erfordert Aufmerksamkeit und Konzentration und den Willen, sich darauf einzulassen. Eco schreibt in langen, sehr langen und sehr langatmigen Sätzen, von denen jedes Wort Gewicht hat. Wenn man dem Zeit schenkt, entdeckt man schmunzelnd pointierte Details zwischen all den Worten und Reden. Leider – das bedaure ich sehr – fehlt mir über weite Strecken der Bildungshintergrund, um alle Anspielungen zu verstehen. Selbst wenn ich welche vermutet habe oder erkannte, fehlte mir dann die Muße, die Hinweise nachzuschlagen. Aber wer sich als Goldgräber betätigen will, wird hier sicher fündig.
Immer wieder sind Hexenverbrennungen ein Thema. Es geht um Häretiker und verschiedene Gruppierungen innerhalb der Kirche, die sich gegenseitig der Ketzerei beschuldigen; es geht um Teufelsanbetung und den Verbot des Lachens und den Papst und einen politisch-theologischen Konflikt, den ich nicht ganz verstanden habe. Es ist auf jeden Fall hilfreich, sich den Film anzusehen, dann kommt man besser mit. Der Film erzählt die Geschichte auch spannender als das Buch. Ich glaube, wir haben hier ein Beispiel, wo der Film dem Buch gut tut. Ich habe mal den Trailer mitgebracht. (Übrigens kaufe ich gerade verstärkt gebrauchte DVDs für meine persönliche Filmothek, weil ich von diesem Streaming weg will.)
Wer sollte „Der Name der Rose“ lesen?
Ich weiß nicht, wem ich dieses Buch empfehlen soll. Der gemeinen Booktokerin, die ein Buch zum Suchten sucht, eher nicht. Dieses Buch ist für alle, die ein echtes, aufrichtiges Interesse an historischen Romanen mit philosophischen und theologischen Fragestellungen haben, oder die sich für Kirchengeschichte interessieren. Ich bin froh, es gelesen zu haben, aber als Nächstes brauche ich etwas mehr Drama, Spannung, Blut, Love, Cliffhanger und Mindfuck ;). Auf meinem Nachttisch liegt neben einem Text, den ich probelese, „Das Königreich der Verdammten“ von Jay Kristoff. Tod und Verdammnis begleiten mich also weiterhin.
Kennst du „Der Name der Rose“? Wie ist dein Eindruck? Schreib’s mir gern in den Kommentar :).
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Der Name der Rose
Klassiker des historischen Romans: Ein Meisterdetektiv und sein Schüler klären eine mysteriöse Mordserie in einem Kloster auf.
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