Das Lektorat zu meinem Debüt „A Darkadian Tale – Tango und Tod“ nähert sich dem Ende. Ich bin im letzten Durchgang. Im heutigen Blogbeitrag berichte ich über das Lektorat, das die liebe Harlow durchgeführt hat, und welche Challenges es so mit sich brachte. Spoiler: Es hat wenig mit dem Text zu tun, aber sehr viel mit meinen eigenen Ängsten.
Inhalt
Aktueller Status: Lektorat von und mit Harlow Alexander
Was war das für eine Reise bisher! Nach dem Testlesen im vergangenen Jahr, bei ich schon viel Input und Feedback bekommen habe, ging das Manuskript Anfang des Jahres ins Lektorat bei der wunderbaren Harlow Alexander, die ich als Freundin, Kollegin und Lektorin sehr schätze. Ohne sie wäre dieses Buch nicht, was es gerade im Werden ist.
Wie fühlt sich so ein Lektorat eigentlich an?
Ein Lektorat ist eine emotional fordernde Sache. Als Autorin gebe ich mein Werk zum ersten Mal einem wirklich kritischen Blick. Den braucht es natürlich, um besser zu werden. Gleichzeitig bange ich als Autorin, wie das Buch aufgenommen wird. Am liebsten wollen wir hören, dass alles bestens und gut ist, aber wir wissen ja, dass es das nicht ist. Kein Buch kommt fehlerlos zur Welt!
Harlow hat es mir da einfach gemacht. Wir kennen uns schon länger und haben uns ja auch endlich auf der Stuttgarter Buchmesse live getroffen. Da sie beim Testlesen schon dabei war und mir da schon Feedback gegeben hatte, wusste ich, dass ihr das Buch gefällt. Da war die Hemmung, das Buch aus der Hand zu geben, nicht so hoch. Ihre Vorschläge aus dem Testlesen hatte ich einigermaßen umgesetzt. Sie betrafen vor allem die Figur Sophia, die in der letzten Überarbeitung noch eine große Entwicklung gemacht hat, sowie weitere Punkte.
Ein erster Tipp an dieser Stelle: Mach ein Testlesen vor dem Lektorat! Mein Testleseteam setzt sich aus Lesenden, Buchblogger:innen und anderen Autor:innen, die zum Teil Lektorin sind, zusammen. Dadurch bekommst du schon ein umfangreiches Feedback. Wenn das eingearbeitet ist, ist die Schwelle zum Lektorat nicht mehr so hoch.
Harlow hat den Text intensiv durchgearbeitet – zu meinen Learnings komme ich gleich. In ihrem Lektoratsbericht hat sie die Geschichte hinsichtlich Figuren, Plot, Setting, Sprachstil, Struktur und Sprache analysiert. Dieser Bericht war für mich total spannend zu lesen. Er hat mir auch einiges gesagt, was ich gar nicht so auf dem Schirm hatte, z.B., dass das Thema des Buches „Familie“ und „eigene Rolle in der Familie“ ist. Das stimmt, aber das ist tatsächlich gar nicht bewusst passiert. In ihrer Analyse schreibt sie, dass sich dieses Thema bei allen Figuren durchzieht, es zugleich aber nicht als „entweder-oder“, sondern als ambivalent dargestellt wird.
Harlow hat natürlich auch die Unsicherheiten im Text gefunden und gute Vorschläge zur Verbesserung gemacht. Ein Lektorat ist ja keine Kritik, sondern ein Vorgang, um das Manuskript zum Leuchten zu bringen. Klar habe ich mir an einigen Stellen an die Stirn gehauen. Aber sie hat ihre Kommentare sehr einfühlsam, wertschätzend und professionell formuliert und übrigens auch viel gelobt.
So ein Lektorat ist tatsächlich eine sehr intime Situation, den Text zu zweit so intensiv zu bearbeiten. Man fühlt sich als Autor:in ein bisschen nackt, zumindest geht es mir so. Daher ist es mir sehr wichtig, dass die Harmonie zwischen Autor:in und Lektor:in stimmt. Mit Harlow hat das wunderbar funktioniert.




Das „Darkadium“ erfordert ein hohes Maß an Analysefähigkeit, um Plotlöcher überhaupt erkennen zu können. Das fällt mir selbst zum Teil schwer. Dadurch, dass sie das Darkadium durch verschiedene Testlesen bereits kannte, konnten wir sehr gut an dem Text arbeiten. Als Plus werte ich auch ihre Sprachsensibilität für inklusive Sprache. Es hilft mir als Autorin ungemein, dass da jemand nochmal draufschaut.
Learnings: Eine Frage des Stils
Klingt vielleicht blöd, aber die Kommentare im Text hielten sich in Grenzen. In einigen Kapiteln knubbelte es sich, in anderen war kaum was zu tun. Es ist natürlich auch eine Stilfrage, und da tun sich viele Autor:innen schwer – ich auch. Stil ist ja auch irgendwo eine Geschmacksfrage, und da fühlt man sich schnell zu Unrecht verurteilt. Andersrum findet man eben über den Schreibstil eine Verbindung zum Text. (Ich habe auch schon Bücher weggelegt, weil mir der Stil nicht zusagte!)
Stil ist also etwas hochemotionales: intim, persönlich. Ich habe schon Social-Media-Postings gelesen, in denen Autor:innen ihren eigenen Stil gegen Kritiken verteidigt haben. Das endete dann in „Das ist halt mein Stil und wenn er dir nicht passt …“
Ob das nun guter Stil ist? 😉
Es gibt durchaus ein paar handwerkliche Dinge beim Schreiben, die man nicht mit „das ist halt mein Stil“ entschuldigen sollte. Dadurch manövriert man sich selbst ins Aus und verweigert sich der Möglichkeit, sein Schreiben zu verbessern. Und ja, wir alle können an unserem Stil feilen. Der Text verliert ja auch nicht an Individualität, wenn man am eigenen Schreibstil arbeitet – im Gegenteil!
Dein Ego ist dein Feind
Ich kann nur dazu ermutigen, das eigene Ego mal für eine Weile hinten anzustellen und sich ganz sachlich auf das Feedback einzulassen. Ich glaube, das ist das Schwerste am Lektorat und das blockiert auch. Wir nehmen Kritik oft zu persönlich. Reagieren reflexhaft beleidigt. Ich muss mich auch aktiv überwinden, mich den Kommentaren zu stellen – obwohl Harlow und ich eine tiefe Vertrauensbasis haben und sie mir schon während des Lektorats immer mal wieder schrieb „Dein Text ist gut, es ist alles in Ordnung“.
Sobald ich die Dateien aufmache, übernimmt meine Angst: Ist mein Text gut? Was hat sie alles gefunden? Oh Gott, wie peinlich! Wo ist ein Mauseloch, in dem ich mich verkriechen und schämen kann für diese ganzen blöden Fehler? Wie kann ich es überhaupt wagen, meine Kunst irgendwem zu zeigen? Es ist alles furchtbar und schrecklich und unlogisch. Mein Ego strebt nach Brillanz und Perfektion. Andere große Schriftsteller:innen haben ihren Text aus einem Guss zu Papier gebracht (angeblich). Warum brauche ich Stümperin drölfzig Überarbeitungen und finde immer noch was?
Tja. Auch diverse Therapien, Yoga und das Lesen von Daily Stoic lassen diese Stimme nicht von alleine verstummen. Dieser Panik zu begegnen, fordert aktive Mitarbeit! Zuerst: erkennen, dass da diese nervige Stimme echt hart mit dir ins Gericht geht. Was bildet die sich überhaupt ein? Du sitzt da seit Monaten und entwickelst diese Geschichte und dann redet sie dich klein? Come on!
In diesem Moment besinne ich mich auf die Atemtechniken, die ich beim Yoga gelernt habe. Zum Beispiel den Ausatem verlängern (Zähl einfach: Bis 4 einatmen, bis 8 ausatmen. Mach das fünf Minuten, es hilft!)
Ich erinnere mich, dass ich hier sicher bin. Ich kann auch jederzeit abbrechen und frische Luft schnappen. ICH bin hier die Chefin, nicht die Angst, nicht der Zweifel. Ich rufe mir aktiv in Erinnerung:
Dass ein Lektorat nicht mich als Autorin kritisiert, sondern den Text.
Dass das Lektorat mich voranbringt.
Dass das Lektorat Fehler findet, die ich jetzt noch verbessern kann.
Besser, eine Lektorin findet sie als ungnädige Leser, die sich mit 1-Sterne-Bewertungen bedanken.
Mein Ego hat jetzt Pause. Es bekommt einen dicken Keks und darf sich jetzt in eine Kiste trollen. Und dann gehe ich Kommentar für Kommentar durch und stelle fest: Es macht sogar Spaß! Und ich komme voran! Nichts ist peinlich an einem Lektorat, im Gegenteil: Ich bin mutig, dass ich mich dem stelle. Und ich merke mit jeder Seite, dass der Text besser wird.
Ein Buchtipp an dieser Stelle: Dein Ego ist dein Feind* von Ryan Holiday. (Hier gebraucht bei Medimops*.)
Who the fuck is a Stillektorat?
Mein persönlicher Nemesis sind definitiv Filterwörter. Das wird etwas sein, worauf ich nun achten werde. Auch mein nächstes Buch will ich nochmal darauf untersuchen, bevor Harlow es bekommt. Doch was sind Filterwörter?
Filterwörter blähen den Text unnötig auf. Sie filtern die Wahrnehmung der Erzählfigur, hier ein Beispiel:
Tamás beobachtete, wie ein Kleintransporter mit Gemüse und Fisch vor dem Lokal hielt und sie mit dem Fahrer sprach.
In diesem Satz ist „beobachtete“ das Filterwort: Es beschreibt den Seh-Akt. Ich habe den Satz wie folgt korrigiert:
Ein Kleintransporter mit Gemüse und Fisch hielt vor dem Lokal und sie sprach mit dem Fahrer.
Der neue Satz ist kürzer und liest sich flockiger. Er erzählt nicht, WIE was passiert, sondern zeigt es einfach. Der Nebensatz fällt weg und gleich haben wir einen leichteren Satz.

Ich mache sowas andauernd 🙈🙆♀️. Jemand hörte, dachte, sah, spürte, roch … Da kann ich mich in der Häufung nicht mit „das ist halt mein Stil“ rausreden. Lektor:innen sagen es immer wieder: Filterwörter sind die ersten, die einen Text verlassen müssen. Aber als Autorin muss ich das natürlich wissen und darauf achten. Ein Sillektorat hilft ungemein dabei. Viele befürchten, glaube ich, dass einem bei einem Stillektorat ein anderer Stil aufgezwungen oder uns unser Stil weggenommen wird. Das ist nicht so!
Es geht, wie bei meinem Beispiel, darum, solche Stolpersteine zu finden und den Text flüssiger zu machen. Es sind oft sogar nur minimale Änderungen, und dennoch stark in ihrer Wirkung. Mir als Autorin fällt es doch sehr auf, ob ein Buch ein Stillektorat hatte, oder nicht.

Ein anderer Nemesis von mir sind „Inquits“ 🫠, also Redebegleitsätze à la „sagte er“, „bemerkte sie“, etc. Ich bemühe mich ja schon, es nicht zu bunt werden zu lassen und schreibe meist „sagte“, wie das auch die Mehrheit der Schreibratgeber empfehlen. Aber im Ganzen war es dann zu viel. Harlow gab mir die Rückmeldung, dass man Leser:innen durchaus zutrauen kann, dass sie wissen, wer gerade spricht – gerade, wenn nur zwei Personen reden. Also habe ich zig Inquits gelöscht und Absätze neu strukturiert.
Weitere Dinge, die einem selbst selten auffallen, sind Worthäufungen und Wiederholungen. Bei mir waren es Possessivpronomen. Ich habe häufig „seine“ geschrieben, wo ein Artikel auch gereicht hätte. Nachdem ich die alle geändert habe, habe ich mir dann den Text selbst komplett vorgelesen. Wenn man das tut, hört man es auch selbst. Der Text klingt ausgesprochen ganz anders und man liest mit einer anderen Aufmerksamkeit.

Insgesamt hat mir dieses Lektorat sehr viel Spaß gemacht. Kreativität wächst durch Austausch und Teilen. Es setzt unglaublich viel positive Energie frei, und ich habe diesen Prozess sehr genossen.
Harlow hat an vielen Stellen mit gefiebert und das ist als Autorin auch einfach schön, wenn man im Text direkt eine Rückmeldung bekommt. Auch wenn sie zuweilen aus der Bromance zwischen George und Tamás mehr machen wollte :D. Da kann ich sie und alle Freund:innen von Gay Romance vertrösten: In Band 2 und 3 der „Darkadian Gods“ werden Gay Romance-Fans mehr auf ihre Kosten kommen.

In „Tango und Tod“ schrabben wir haarscharf dran vorbei 😎. Harlow war die Erste, die schon nach dem Testlesen bemerkte: Die Chemie zwischen George und Tamás ist schon eine besondere. Ihr ist es übrigens zu verdanken, dass ich das in der finalen Version nochmal mehr ausgebaut habe. Den Gay-Romance-Subplot in „Darkadian Gods“ habe ich vor allem für Harlow geschrieben und ich kann es kaum erwarten, ihn ihr zu zeigen!
Nächste Schritte
Mit der Überarbeitung von Tango und Tod bin ich fast durch. Harlow schaut dann netterweise auch nochmal drüber und findet dann hoffentlich nichts mehr. Zwei kleine Szenen habe ich auf ihre Anregung hin noch geschrieben. Ich bin schon gespannt, wie sie ihr gefallen.
Danach geht das Buch ins Korrektorat, wo der Text auf Grammatik, Satzbau und Logik geprüft wird. Dafür habe ich einen sehr lieben und mir nahestehenden Menschen verpflichten können – vielen Dank schonmal an dieser Stelle :). Ich werde auch darüber berichten! Sobald das abgeschlossen ist, kommt noch der Buchsatz, für den ich auch Unterstützung habe. Da bin ich sehr sehr dankbar für, denn Buchsatz ist ja auch eine Wissenschaft für sich. Ich werde dann demnächst mehr dazu erzählen.
Das Cover wird im April enthüllt. Meine Fantasy-Mäzene, die mich monatlich mit einem kleinen Betrag unterstützen, können es hier bereits sehen. Auch das erste Kapitel kann man schon lesen.
Im Hintergrund bereite ich ansonsten das Marketing vor und meinen Autorenshop. Vorbestellungen sind ab Ende Juni möglich. Bleib auf dem Laufenden mit meinem Newsletter. Du erhältst gratis die Kurzgeschichte „Der Kuss des Mondes“, in der übrigens Tamás auch schon mitspielt ;).
Fazit
Ich hoffe, dir hat dieser Einblick gefallen? Geht es dir beim Lektorat auch so? Oder bist du Lektorin und kannst etwas aus deiner Erfahrung dazu sagen? Ich freu mich auf deinen Kommentar!
Wenn dir dieser Text weitergeholfen hat, könnte auch mein Text über die Schreibblockade was für dich sein. Außerdem ist vielleicht mein Autoren-Newsletter was für dich? Er erscheint 1x im Monat und widmet sich allen Themen rund ums Schreiben, inkl. Buchmarketing.
affiliate Links: Dieser Text enthält Partnerlinks, so genannte affiliate Links. Das bedeutet: Wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass dir dadurch Mehrkosten entstehen. Ich mache damit nicht den Wahnsinnsreibach, sondern das ist mehr ein Obulus der Anerkennung für die Arbeit, die in JEDEM meiner Artikel steckt – das sind je nach Thema 2-6 Stunden Zeit pro Artikel – an Fachartikeln sitze ich deutlich länger. Ich schreibe alles selbst und beschäftige KEINE KI mit dem Texten meiner Blogbeiträge. Seit 2025 wird Amazon als Partner nach und nach verschwinden – aus Gründen. Die Links sind mit einem * gekennzeichnet. Mehr darüber, wie dieser Blog Geld verdient, erfährst du auf meiner Transparenzseite. Ich danke dir für deine Unterstützung! :*







