Der Pakt mit dem Teufel

Eins der beliebtesten Motive in der Literatur und in Filmen ist der „Pakt mit dem Bösen“ oder der „Pakt mit dem Teufel“. Er taucht in vielen Büchern und Filmen auf: Von Rumpelstilzchen bis zu den Avengers werden Verträge mit dem Teufel, Dämonen oder dem Bösen geschlossen, um dafür Jugend, Schönheit, Reichtum, Macht, ewiges Leben oder Erkenntnis zu erlangen. Auch in meinen Büchern greife ich gern auf dieses Motiv zurück: Auch Tamás muss in „A Darkadian Tale – Tango und Tod“ eine Entscheidung treffen.

Der Pakt mit dem Teufel als Motiv in der Literatur

Eva - Bild von Lucas Cranach: Eva steht nackt mit dem Apfel in der Hand im Paradies vor dem Baum der Erkenntnis. Die Schlange schlängelt sich um einen Ast.
Eva by Cranach, Lucas I – Royal Institute for Cultural Heritage, Belgium – CC BY-NC-SA.

Pakte mit dem Teufel hat es in der Literatur schon immer gegeben. Seit Eva den Apfel von der Schlange nahm, hat das Motiv nichts an seiner Faszination eingebüßt. Dabei geht es immer um ein verlockendes Tauschgeschäft; die Versuchung ist in der Regel zu groß, als dass man ihr widerstehen könnte: Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

In meinen Büchern ist es nicht der Teufel, sondern eine andere, dämonische Macht, mit der der Pakt geschlossen wird – meist in Gestalt der „Darkadier“. Das Grundprinzip ist ähnlich: Die böse Macht wird um einen Gefallen gebeten, oft um Reichtum, Schönheit, ewige Jugend, Einfluss oder auch Erkenntnis. Im Gegenzug wird üblicherweise die eigene Seele oder der Erstgeborene verpfändet.

Geschichten mit Teufelsbünden, wie Frenzel es in „Motive der Wekltliteratur„* nennt, verbinden meist „Elemente wie Sündenfall, Verdammnis und Bekehrung“ und bieten an sich schon eine Steilvorlage für einen Roman. Mich haben solche Geschichten schon immer fasziniert, und ich habe hier einmal ein paar der wichtigsten klassischen Geschichten zusammengestellt, die einen Pakt mit dem Teufel als zentrales Motiv haben.

„Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe: Der Protagonist, Heinrich Faust, schließt einen Pakt mit Mephistopheles, dem Teufel, um nach Erkenntnis und sinnlicher Erfüllung zu streben. Faust gibt dem Teufel seine Seele, wenn dieser ihn vollständig befriedigen kann. Der Pakt führt zu tragischen Konsequenzen für Faust.

„The Monk“ von M.G. Lewis: Der Abt eines Klosters verkauft seine Seele für die ungehemmte Befriedigung seiner Leidenschaft.

„Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow: In diesem Roman schließt der Teufel, genannt Woland, einen Pakt mit einer Gruppe von sowjetischen Bürokraten und Intellektuellen. Der Pakt ermöglicht ihnen Macht und Vergnügen, aber hat auch unvorhergesehene Konsequenzen. Die Geschichte verbindet humorvolle und satirische Elemente mit einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit dem Bösen.

„Der goldene Topf“ von E.T.A. Hoffmann: In dieser Erzählung schließt der Student Anselmus einen Pakt mit dem Geist des Wassers, der in Gestalt einer Schlange auftritt. Der Pakt eröffnet Anselmus eine Welt der Magie und Phantasie, aber auch der Verführung und des Verlusts.

„Der Teufel von Loudun“ von Aldous Huxley: Dieses Buch basiert auf historischen Ereignissen und erzählt die Geschichte des Priesters Urbain Grandier, der im 17. Jahrhundert angeklagt wird, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Die Geschichte beleuchtet die Macht der religiösen und politischen Institutionen und thematisiert die Frage nach der Existenz des Bösen.

„Die Elixiere des Teufels“ von E.T.A. Hoffmann: In diesem Roman schließt der Mönch Medardus einen Pakt mit dem Teufel, der ihn zuerst vor dem Tod rettet, aber dann sein Leben in eine Spirale von Verbrechen und Schuld stürzt. Das Buch untersucht die dunklen Seiten der menschlichen Natur und die Frage nach Verantwortung und Erlösung.

Diese Bücher bieten unterschiedliche Interpretationen des Pakts mit dem Teufel und reflektieren dabei moralische, philosophische und psychologische Aspekte. Weitere Beispiele sind das Märchen „Rumpelstilzchen“ oder „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde: Auch hier geht es um Verträge mit dem Bösen.

Auch Mary Shelley’s „Frankenstein“ lässt sich so lesen: Der ehrenwerte Viktor Frankenstein opfert zunächst seine moralischen Grundsätze für die Erschaffung seiner Kreatur und bezahlt am Ende mit dem Leben seiner Liebsten. Wir lernen: Gewinnen kann man bei solchen Verträgen eher nicht.

Das berühmteste Beispiel aus der Fantasy ist „Der Herr der Ringe“: Der Ring der Macht korrumpiert seinen Träger, führt ihn permanent in Versuchung. Die Aufgabe der Helden ist, diese Versuchung zu vernichten.

Filme mit dem Pakt mit dem Teufel: Avengers, King Arthur, Fluch der Karibik, The Witcher

Tamás Bethlen Charakterkarte, Tamás Bethlen, Illustration, Darkadium
Tamás Bethlen, Illustration: Drew Black

Wenn man filmische Beispiele für einen Pakt mit dem Teufel hinzuzieht, fällt mir als erstes Stiefelriemen-Bill aus „Fluch der Karibik, Teil 2“ ein, der in einer ausweglosen Lage gezwungen ist, einen Pakt mit Davy Jones zu schließen. Auch „Die Firma“ kann als Pakt mit dem Teufel gelesen werden, genauso wie der Film „Im Auftrag des Teufels“ mit Al Pacino und Keanu Reeves. Hier haben wir auch den Teufel im Anwaltsmilieu, der Teufel als Advokat – auch dies ist keine seltene Zuschreibung, derer ich mich auch bediene: Tamás Bethlen, Hauptfigur aus „A Darkadian Tale – Tango und Tod“ ist Anwalt – ein sympathischer natürlich, aber dennoch wird schon in diesem ersten Buch deutlich, dass er sich mit Mächten auseinandersetzen muss, die nicht unbedingt zu „den Guten“ gehören.

Das Motiv des Teufelsbundes taucht immer wieder in Filmen und Serien auf – mal mehr, mal weniger subtil. Es wird gern eingesetzt, um die edlen Absichten des Helden darzustellen und dient als dramatisches Mittel: „Raise the stakes“ heißt es in Schreibratgebern gern, was soviel bedeutet wie „Mach es für deine Helden hart. Richtig hart.“

Wenn das Pfand gering ist, lohnt sich die Geschichte nicht. Deshalb geht es bei Pakten mit dem Teufel gern um Leben und Tod oder den Verlust der eigenen Seele.

Sündenfall, Verdammnis und manchmal auch Erlösung begleiten den Pakt mit dem Teufel und leiten vielfach eine Heldenreise ein. Jeder Film und jedes Buch, bei dem es um eine Versuchung geht und darum, der Erfüllung dieser Versuchung etwas zu opfern, ist im Grunde ein Pakt mit dem Teufel. Es muss nicht immer die Seele oder der Erstgeborene sein, die verpfändet wird. Manchmal ist es auch das Leben eines geliebten Menschen oder metaphorischer, das eigene Lebenswerk, wie in „Gefährliche Liebschaften„. Ein weiteres Beispiel dieser Kategorie: „Ein unmoralisches Angebot„.

Filmplakat "Il Padrino" 1972, zeigt Marlon Brando als "den Paten" im seitlichen Profil in rot vor schwarzem Hintergrund.
Filmplakat: Der Pate – 1972 – Provincial Library Magna Capitana, Italy – No Copyright – Other Known Legal Restrictions.

In „Der Pate“, den ich eingangs frei zitiert habe, tritt der Pate als mächtige, amoralische Figur auf, die Verträge diktiert. Die Nichteinhaltung, oder Illoyalität, kostet das Leben. Das Interessante ist hier freilich der moralische Verfall Michael Corleones, der sich vom halbwegs ehrenwerten jungen Mann zum skrupellosen Mafiaboss entwickelt. Am Ende des dritten Teils bezahlt er selbst dafür den Preis, als seine geliebte Tochter vor seinen Augen erschossen wird.

Jude Law tötet in der Guy-Richie-Verfilmung „King Arthur“ seine Frau und später seine Tochter, um das Königreich zu gewinnen. In „Avengers Endgame“ kämpfen Black Widow und Hawkeye zur Erlangung des Seelensteins darum, sich opfern zu dürfen, um das Universum zu retten. Zuvor hat Thanos bereits seine geliebte Tochter für den Seelenstein geopfert. In „The Witcher“ (hier die Rezi zu „Der letzte Wunsch“) schließt Yennefer einen Pakt mit dem Bösen, um ihre magischen Kräfte zurückzuerlangen – was sie Geralts Liebe kostet.

In „Dracula“ und auch vielen anderen Vampirbüchern tauschen die Figuren ihre Seele gegen die Unsterblichkeit und Blutdurst ein. In „Gefährliche Liebschaften“ opfert der Vicomte de Valmont alles seiner Wette – auch die Seele und die Liebe, von der er vorher nicht wusste, dass er sie besaß. In der Serie „Buffy, the Vampire Slayer“ gibt es gleich mehrere Folgen, die sich mit Dämonenpakten beschäftigten. Im Serien-Ableger „Angel“ tritt die Kanzlei „Wolfram & Heart“ als Antagonist auf.

Es gibt unzählige Beispiele für Teufelsbünde, und auch unzählige Erzählarten: Morpheus lässt Neo in „Matrix“ noch die Wahl zwischen den beiden Pillen. Doch beiden ist klar: Nach der Einnahme gibt es keinen Weg zurück. Ist Morpheus hier der Teufel? Wohl eher nicht: Das Motiv der „unheiligen Ehe“, die dem Pakt mit dem Teufel innewohnt, ist hier ins Positive verkehrt. Durch den Pakt erwacht Neo und kann seine Bestimmung als Retter der Welt erfüllen.

Solche positiven Teufelsbünde treten genauso häufig auf, nur sind sie oft weniger leicht zu erkennen. Wenn du selbst schreibst, kommen dir nun vielleicht auch selbst ein paar Ideen. Außerdem fallen dir bestimmt noch weitere Beispiele ein – schreib sie mir gern in den Kommentaren!

Die Faszination des Teufelspaktes

Adam und Eva, "Der Sündenfall" von Jan Wierix. Zeichnung.
[Der Sündenfall; The Temptation] by Jan Wierix – Herzog Anton Ulrich Museum, Germany – CC BY-NC-SA.

Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht.

Oscar Wilde

Es liegt in der menschlichen Natur, Verbotenes zu wollen. Ohne dieses Verlangen wären Schriftsteller wahrscheinlich seit Jahrhunderten arbeitslos. Dass das Konzept der Versuchung in der Popkultur so prima funktioniert, verdanken wir seinem religiösen Ursprung im Juden-, bzw. Christentum, das die Dichotomie von „Gut“ und „Böse“ fest in unserem kulturellen Erbe verankert hat.

Zum Vergleich: In der römischen und griechischen Antike fehlte das „typische Moment des Verrats an der göttlichen Welt, die Verpfändung des Seelenheils“ (vgl. Frenzel: „Motive der Weltliteratur“, Stichwort „Teufelsbündner“).

In typischen Teufelsbund-Geschichten vollbringen die Teufelsbündner „große Taten“ (Dorian Gray wird z.B. unsterblich), ehe sie ihren eigenen Verfall bemerken und versuchen, sich von dem Pakt zu lösen – was sich häufig als unmöglich herausstellt. In vielen modernen Geschichten steht die moralische Verdammnis des Teufelsbündners im Fokus: Er wird selbst zum „Teufel“ (z.B. Michael Corleone), aber er ist nicht unbedingt „der Böse“, sondern wir verstehen seine Beweggründe, wenn er den Tod seines Vaters und seines Bruders rächt und seine eigene Familie beschützen will.

Letzten Endes treffen wir auch in jedem Dark-Romance-Roman, in dem der Love Interest der Antagonist ist, auf das Spiel mit der Versuchung, den Teufelsbund. Immer steht die Frage im Hintergrund: Wie weit würdest du gehen, um dein Ziel zu erreichen?

Quellen

Frenzel: Motive der Weltliteratur, Kröner 2008. (Hier gebraucht kaufen*)

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Sonja Tornefeld studierte Allgemeine Literaturwissenschaft, Germanistik und Medienwissenschaften. Sie ist Fantasy-Autorin und passionierte Buchliebhaberin, großer Fan von Hobbits, Vampiren, Drachen, Metal und allem Magischen. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in der Nähe des Teutoburger Waldes.
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