Heute stelle ich einen Klassiker der Abenteuer-Literatur und einen Vorreiter des Steampunk vor: Jules Vernes „20.000 Meilen unter den Meeren“. Ich habe das Buch meinem jüngsten Sohn (9 Jahre) in der wunderschönen Schmuckausgabe aus dem Hause Coppenrath vorgelesen.
Inhalt
20.000 Meilen unter den Meeren

„Weißt du, mein Freund, es geht um das Ungeheuer… Wir werden die Meere von ihm befreien! Eine sehr ruhmreiche Mission, die … allerdings auch gefährlich ist! Das ist eine dieser Reisen, von denen man nicht genau weiß, ob man wieder heimkehrt. Im Jahr 1867 wird die Fregatte Abraham Lincoln auf eine Expedition geschickt, um das riesige mysteriöse Wesen zu jagen, das seit einiger Zeit die Weltmeere unsicher macht und hinter zahlreichen Schiffsunglücken steckt. Mit dabei sind der Naturforscher Pierre Aronnax, sein unerschrockener Gehilfe Conseil und der kühne Waljäger Ned Land. Als die drei Gefährten im Kampf mit dem Ungeheuer über Bord gehen, lernen sie sein wahres Wesen kennen. Zusammen mit Kapitän Nemo und seinem fantastischen Unterseeboot „Nautilus begeben sie sich auf eine abenteuerliche Weltreise durch die Tiefen und Wunder der Meere. Jules Vernes Klassiker der Weltliteratur in ungekürzter moderner Übersetzung mit lesenswertem Nachwort und interessanten Anmerkungen von Volker Dehs. 10 aufwendig gestaltete Extras versetzen die Leserinnen und Leser in die Zeit des Romans, lassen die Geschichte lebendig werden und liefern aufschlussreiche Hintergrundinformationen. Die detailverliebte Gestaltung sowie authentische Illustrationen, die bereits den Autor selbst inspiriert haben, machen diese bibliophile Ausgabe zu einem ganz besonderen Schmuckstück.

Buchvorstellung und Rezension
Ich wollte dieses Buch schon lange lesen, einfach weil ich gewisse Klassiker auch gern abhake. Die schöne Schmuckausgabe haben wir unserem Sohn, der wirklich gern liest, zum Geburtstag geschenkt, und wir haben es dann gemeinsam gelesen. Die Gestaltung der Coppenrath-Ausgabe ist sehr aufwändig. Der Umschlag hat eine hochwertige Prägung, und dann ist JEDE Seite ein Abenteuer: Es sind auf fast jeder Seite Zeichnungen. Der Buchsatz zeigt in diesem Buch, was er wirklich kann. Wer Freude an schön gestalteten Büchern hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Das Buch bietet neben der detailverliebten Gestaltung viele Extras, wie z.B. eine Weltkarte mit der Fahrt der Nautilus und extra Kärtchen mit Bildmaterial zum Entdecken und Staunen. Die Ausgabe ist ein tolles und kostbares Geschenk.
Die Geschichte begleitet Professor Aronnax, seinen Assistenten Conseil und den draufgängerischen Walfänger Ned Land auf ihrer zunächst unfreiwilligen Reise auf der Nautilus als „Gäste“ des geheimnisvollen Kapitän Nemo, der mit seinem Unterwasserboot die Weltmeere unsicher macht.
Es ist eine klassische Abenteuergeschichte, die seinerzeit begeistert haben muss durch ihre detaillierten Naturschilderungen und die technischen Details. Jules Verne konzentriert sich in der Erzählung sehr auf Forschungsthemen, Naturkunde und technische Möglichkeiten. Zwischendurch klingt Sozialkritik durch, etwa wenn er das Schicksal der Perlentaucher beschreibt, die für einen Hungerlohn nach Perlen tauchen und von den Vermögenden ausgebeutet werden.

Was ich auch sehr schön fand: Er erklärt sehr detailliert den Golfstrom und seine Funktion als „Heizung Europas“. An der Stelle wurde ich tatsächlich etwas wehmütig, denn diese Erkenntnis wird ja nach wie vor ignoriert; anders kann ich mir die Untätigkeit unserer Regierung in Sachen Klimaschutz nicht erklären.
„20.000 Meilen unter den Meeren“ ist ein Klassiker, auf den immer wieder in der Popkultur Bezug genommen wird, und ich kann mir gut vorstellen, wie inspirierend und bahnbrechend das Buch seinerzeit war.
Aus heutiger Sicht ist es natürlich in einigen Aspekten auch in die Jahre gekommen. Der Erzählstil ist eher naturwissenschaftlich und mit Forscherinteresse geschrieben, weniger auf Spannung aus, obwohl natürlich die Erzählung durchaus auch spannend ist und es sogar zum Ende hin recht dramatisch wird, z.B. bei dem Ausflug zum Südpol und der Begegnung mit dem Riesenkraken.
Dafür bietet das Buch aber auch viele Längen. Seitenlang schauen Aronnax und Conseil aus dem Fenster und klassifizieren Fische, Farne und Schnecken. Das war für ein Publikum ohne Fernsehen und Internet natürlich spannend; für uns heute waren diese Passagen, von denen es viele gab, doch sehr ermüdend. Ich habe da auch ein paar Absätze übersprungen, wenn ich ehrlich bin.
Bei allem Wert für Korrektheit: Das Buch enthält sehr viel Infodump und liest sich zuweilen wie eine wissenschaftliche Abhandlung. Das killt immer wieder die Spannung, weswegen wir auch knapp ein Jahr gebraucht haben, um es zu lesen. Die interessanteste Figur ist Kapitän Nemo, und obwohl man ihm am Ende doch irgendwie nahekommt, bleibt er ein Mysterium. Das ist irgendwie schön, aber aber auch irgendwie frustrierend. Mich interessieren bei Büchern am meisten die Figuren und ihre Beweggründe und ihre Gefühle. Das kommt mir bei diesem Buch zu kurz, obwohl mir natürlich klar ist, dass das bei diesem Buch nicht im Fokus des Autors stand.
Ein letzter Kritikpunkt, der auch irgendwo der Entstehungszeit geschuldet ist: Es tritt keine einzige Frau auf. Ich glaube, in einer Szene sieht man eine „Wilde“ von weitem, aber das war es dann schon. Man kann sich über ein Frauenporträt in Nemos Zimmer am Ende zusammenreimen, dass er eine Frau hatte, aber physisch tritt keine auf, was mich schon etwas verwundert, denn Ned Land schätze ich als einen Charakter ein, der nicht nur gern die Taverne aufsucht, um sich dort zu betrinken, sondern der dort sicher auch die Nähe des weiblichen Geschlechts gesucht hat. Es erscheint mir seltsam, dass ein Unterseeboot mit dreißig? vierzig? Männern jahrelang komplett frauenfrei durch die Ozeane schippert. Das wird natürlich in keinster Weise thematisiert. Und ja, damals war das gesellschaftlich noch was anderes und Jules Vernes Fokus lag auf dem wissenschaftlichen Aspekt – dennoch ist es mir aufgefallen. Für eine weibliche Leserschaft gibt es keinerlei Identifikationsfiguren, insofern wundert es vielleicht nicht, dass Mädchen sich weniger für „klassische, technikaffine Abenteuergeschichten“ begeistern.
Insgesamt bin ich stolz, das Buch geschafft zu haben. Reine Lesefreude war es jetzt nicht, aber das war auch nicht unbedingt der Leseantrieb. Unser nächstes Buch haben wir dafür schon durch, und das stelle ich demnächst vor, nämlich den ersten Band der Animox-Reihe!
Weitere Kinderbücher
Ich lese meinen Kindern gern vor, und hier stelle ich weitere Kinderbücher vor, meist auch aus der Phantastik:
- Rezension: 20000 Meilen unter den Meeren
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