An diesem Buch habe ich fast ein Jahr gelesen. Das hatte verschiedene Gründe und lag nicht unbedingt am Buch. Aber auch. Als Warnung schicke ich vorweg: Wenn du ein Fan dieses Buches bist, klick besser weg, denn das Buch fällt zwar nicht direkt bei mir durch, ist aber auch keine Empfehlung – höchstens: Muss man selber wissen. Aber von vorn: In dieser Rezension stelle ich „Das Reich der Vampire“ von Jay Kristoff vor, Auftakt einer Vampir-Trilogie, die es zu internationalem Ruhm gebracht hat. Was mich wundert.
Inhalt

Vor 27 Jahren ging die Sonne unter – und seitdem sind die Armeen der Vampire auf dem Vormarsch. Stück für Stück haben sie ihr ewiges Reich ausgedehnt und den Menschen den Boden streitig gemacht, bis nur noch an wenigen Orten ein unbeschwertes Leben möglich ist. Kleine Inseln des Lichts in einem Meer aus ewiger Finsternis.
Als der junge Gabriel de León sein Heimatdorf verlassen muss, führt ihn sein Weg nach San Michon, zum Orden der Silberwächter, einer heiligen Bruderschaft, die das Reich und die Kirche gegen den Ansturm der Bestien verteidigt. Und noch ahnt er nicht, dass er zur größten Legende des Ordens werden wird – und zur letzten Hoffnung einer sterbenden Welt.
Keine KI
Der folgende Text wurde ohne Zuhilfenahme von KI erstellt. In diesem Artikel steckt echte, menschliche Recherche in echten Büchern und zum Teil im Internet. Außerdem fließt Expertise aus meinem Studium mit ein. Quellen sind angegeben.
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Zum Geleit
Bevor ich meine unschmeichelhafte Meinung ins Internet texte und sämtliche Fans des Buches verprelle, möchte ich zu meiner Verteidigung sagen: Ich wollte dieses Buch mögen! Ich hatte die besten Absichten und habe mich auf die Lektüre gefreut. Nur leider ist der Funke nicht übergesprungen – im letzten Fünftel ein bisschen. Dies zum Trost!
Rezension „Das Reich der Vampire“
Die Handlung von „Reich der Vampire“, dem ersten Band der international erfolgreichen Vampir-Trilogie von Jay Kristoff, spielt in einem fiktional-historischen, quasi-französischen Setting. Das mochte ich sehr! In der Rahmenhandlung wird Gabriel de Léon, letzter Vampirjäger, von den Vampiren gefangen. Knapp 30 Jahre zuvor ist die Sonne untergegangen und hat für Vampire ein ideales Umfeld geschaffen, das nur wenige Menschen überlebt haben.
Gabriel de Léon wird von einem Historiker interviewt, denn die Herrscherin der Vampire ist an Informationen bezüglich eines Grals interessiert, die Gabriel hat. Dieses Interview mit einem Vampir wird dann zur Lebensbeichte, die in Ich-Form erzählt wird.
Mein persönliches Problem mit diesem Buch beginnt mit der Ich-Form. Ich habe noch kein Ich-Buch gelesen, das mich wirklich abgeholt hat. Dieses hat das auch nicht geschafft. In diesem Buch empfinde ich diese Erzählform zusätzlich problematisch, weil Gabriel de Léon – sorry – ein echter Kotzbrocken ist. Ich finde ihn furchtbar unsympathisch. Ich gehöre nun mal zu den Leserinnen, die leichter in ein Buch reinkommen, wenn mir die Figuren sympathisch sind.
Gabriel de Léon ist ein Unsympath. Das hat auch nichts mit seiner derben Sprache zu tun, die mich sogar amüsierte, sondern mit seiner Arroganz und der zur Schau gestellten Gleichgültigkeit bei gleichzeitiger Leidensmiene. Eine andere Bloggerin schrieb neulich, man will ihm dauernd einen Keks in die Hand drücken, damit er endlich das Jammern aufgibt, durch das er gleichzeitig zum Ausdruck bringt, dass er der geilste ist. Das muss man erstmal schaffen. Und ja, Gabriel hat es schon ganz schwer gehabt, der Arme. Ich weiß ganz ehrlich nicht, ob ich ihn bedauern soll. Ein so unreifer, verbitterter Protagonist, der sich für den Größten hält und gleichzeitig in Selbstmitleid versinkt, ist mir noch nie untergekommen. Puh!
Also ganz ehrlich: Wenn ich so ein Buch in die Hand nehme, WILL ich mich auch ein bisschen in den Prota verlieben. Aber Gabriel de Léon will ich die ganze Zeit eine runterhauen und ihm sagen, dass er sich mal zusammenreißen muss. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof, besonders nicht, wenn die Sonne für immer untergegangen ist und Vampire über das Land herziehen.

Wir lernen ihn im Lauf der Handlung besser kennen. Ich sagte ja schon: Lebensbeichte. Und die hat ihre Längen. 1024 Seiten hat der Wälzer, da muss man doch durch so manches Kapitel kämpfen. Er erzählt von seiner Kindheit in einem Kaff, in dem er als ungeliebtes Kuckuckskind aufwächst, bis er sich einem Orden von Vampirjägern anschließt. Dort lernt er kämpfen und wird am ganzen Leib tätowiert und er lernt seine große Liebe Astrid kennen, die auch als ungeliebtes Kuckuckskind ins Kloster verbannt wurde. Dabei ist sie natürlich ziemlich gebildet, zynisch und auf ihre Art Feministin, was man dem Buch noch zugute halten kann. Es kommt aber auch ein bisschen pflichtschuldig heruntergebetet daher. Ach ja, hübsch ist sie natürlich auch. Und tätowiert Gabriel. (Da hätte ich mir tatsächlich mehr erotische Spannung gewünscht, das war da eher dünn.)
Naja. Wo war ich? Diese Herkunftsgeschichte wird durch die Rahmenhandlung immer wieder unterbrochen und ein zweiter Erzählstrang wird eingeführt, den ich deutlich spannender fand. Diese zweite Handlung spielt einige Jahre nach der Klostererzählung. Gabriel ist allein mit seinem treuen Pferd unterwegs und fertig mit der ganzen Welt. (Ja, er hat ganz ordentliche Witcher-Vibes.) Warum, weiß man nicht, aber er flucht ganz doll und hat benimmt sich so amoralisch und kotzbrockig wie möglich. Nichtsdestotrotz wird diese Handlung, bei der er sich einer Gruppe Grals-Suchender anschließt, dann recht spannend. Diese Gruppe möchte mit diesem Gral die Sonne zurückbringen, um die Vampire zu vernichten. Gabriel hat gerade nichts anderes vor und wird zum Helden wider Willen, weil ohne ihn ist die Gruppe halt eh am Arsch. Er ist einfach der geilste. Und flucht ganz viel dabei und tut sich leid, denn irgendwas Schlimmes ist da noch passiert, was er uns aber erst ganz am Ende verrät. (Man ahnt es natürlich mittendrin und meine Güte – ja, schlimm. Er hat es wirklich schwer gehabt. Aber wenn man sich anguckt, was alle anderen Menschen in dem Buch schon ertragen haben, dann … tja. Unreif halt. Ihm geht’s am schlümmsten von allen.
Ein Wort zum Worldbuilding: Das mochte ich. Er hat eine dem Christentum ähnliche Religion erschaffen und darum herum einen eigenen Mythos etabliert. Das passte vom Look and Feel. Es kamen auch Themen wie Homophobie und queere Liebe zur Sprache, und das hat der Autor ganz nett eingeflochten – auch Kirchenkritik kam nicht zu kurz. Das passte schon, und da mochte ich die Handlung und die involvierten Figuren auch. Mein größter Kritikpunkt ist einfach der Prota, das große Mann-Kind.
Fassen wir zusammen: Wir haben die Rahmenhandlung, die Herkunftsgeschichte und die Gralsgeschichte. Die unterbrechen sich immer dann, wenn es gerade doch interessant wird. Als Autorin versteh ich das total und ich lehne mich mal nicht zu weit aus dem Fenster, denn „Darkadian Gods“ wird den Leser:innen auch einiges abverlangen was Sprünge angeht, ABER hier war das super nervig, weil Gabriel uns dauernd Häppchen hinwirft, aber nie zu Potte kommt.
Gabriel als Prota ist definitiv Zugpferd und Problem dieses Buches: Da scheiden sich die Geister. Viele lieben ihn und viele mögen ihn nicht; ich gehöre zu Letzteren. Ich werde auch die weiteren Bücher der Reihe nicht lesen. „Nevernight“ von Jay Kristoff liegt noch auf meinem SuB – im Moment habe ich darauf nicht so viel Lust.
Natürlich ist dieses Unsympathische, Freche auch Teil des Marketings: Der Autor gibt sich ja selbst auch so, und das finde ich an ihm authentisch und sympathisch. Bei der Figur Gabriel de Léon finktioniert das für mich leider nicht. Ich bedaure das wirklich, denn ich wollte mich gern in die Reihen der Empire-Fans einreihen und die Bücher preisen und beweihräuchern.
Sexszenen gab es ein paar, und die fand ich sogar ganz gut. Ich habe gelesen, dass viele Kristoffs Bücher für diese Szenen kritisieren und die schlecht finden – da kann ich mich jetzt nicht anschließen, da war ich tatsächlich positiv überrascht.
Zwischendurch lag das Buch monatelang unangetastet auf meinem Nachttisch. Ich habe es nur beendet, weil ich wissen wollte, woher der Hype kommt. Das weiß ich leider immer noch nicht. Vielleicht habe ich einfach was anderes erwartet. Vielleicht schreibe ich selbst mal die Geschichte, die ich erwartet habe. Dieses Buch hat mich jedenfalls nicht überzeugt.
Das letzte Fünftel – da konnte man sich die Auflösung, warum Gabriel ach so gebrochen ist, schon denken (und ich hab zwischendruch auch schon vorgeblättert, um meinen Verdacht bestätigt zu wissen; ich lag richtig), war dann tatsächlich sehr spannend. Ich bin froh und stolz auf mich, das Buch beendet zu haben.
Ich glaube, es könnte allen gefallen, die auch die Witcher-Bücher mochten. Mit denen tu ich mich ja auch schwer, weil ich zu Geralt nicht so den Zugang gefunden habe. (Da hatte ich vielleicht auch mehr „Henry Cavill in der Badewanne“ erwartet, keine Ahnung.) Ich sagte ja schon: Ich will mich in männliche Protas verlieben. Besonders bei Vampirbüchern. Das hat weder beim Witcher noch bei Gabriel de Léon geklappt. Der hat höchstens mütterliche Beschützerinstinkte aktiviert in dem Sinne, dass ich ihn gern versohlen würde. Himmel, was für ein Bürschlein. Ein Mann-Kind, wie es im Buche steht. sic! Für mich kein Bookboyfriend-Material, auch wenn die Fan-Art und die Illustrationen (die wirklich schön sind!!) im Buch da was anderes zeigen. Vielleicht bin ich auch zu alt, oder oder …
Die Vampire von Jay Kristoff glitzern wenigstens nicht. Ansonsten fand ich die okay, aber auch nicht überragend. Sie waren ja mehr Zombie als Blutsauger; man könnte sagen: Wenn du „The Witcher“ mit Vampiren und „The Walking Dead“-Vibes im 17. Jahrhundert mit einem unreifen Prota magst, dann versuch es doch mal mit dem Buch.
Das Reich der Vampire
Das Buch bekommst du im Buchhandel und auch gebraucht* (ich habe es auch gebraucht gekauft). Die Website des Autors findest du hier.
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